Die größte Wortuhr der Welt: Ihre Frontplatte entstand in unserer Fertigung
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Eine Wortuhr im Fassadenformat
Die QLOCKTWO der Gestalter Marco Biegert und Andreas Funk zeigt keine Zeiger. Stattdessen leuchten Buchstaben auf und bilden einen Satz wie „ES IST ZEHN VOR FÜNF“. Die Gestaltung ist auch von den kleineren Wanduhren bekannt.
Für das Gamundia-Gebäude am Remspark in Schwäbisch Gmünd wurde daraus ein Fassadenobjekt: 5,20 Meter breit und ebenso hoch, mit rund 27 Quadratmetern Frontfläche. Bock übernahm die Fertigung der Frontplatte aus Cortenstahl.
Neben dem Zuschnitt ging es dabei um Fragen des Stahlbaus. Die Platte musste eben bleiben, sich mit dem Kran bewegen lassen und zu den vorgesehenen Befestigungen passen. Die Buchstabenöffnungen bestimmten zugleich das Schriftbild und die verbleibenden Materialstege.

Die größte Wortuhr der Welt in Zahlen
Die Eckdaten des Bauteils – aus unserer News von 2014 und aus der Pressemeldung der Stadt Schwäbisch Gmünd vom 14. März 2014:
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Abmessungen | 5,20 × 5,20 m (rund 27 m²) |
| Gesamtgewicht | über 4.000 kg (Pressemeldung der Stadt, 14.03.2014) |
| Frontplatte | 2.600 kg Cortenstahl mit ausgeschnittenen Buchstaben |
| Grundgestell | Edelstahl |
| Beleuchtung | 110 LED-Leuchten hinter der Buchstabenmatrix |
| Befestigung | Schienen, bereits beim Bau des Gebäudes in die Wand eingelassen |
| Standort | Gamundia-Gebäude am Remspark, Schwäbisch Gmünd |
| Inbetriebnahme | März 2014, vor Eröffnung der Landesgartenschau |
Von den über vier Tonnen Gesamtgewicht entfallen 2.600 kg auf die Frontplatte. Ihre Fertigung und Handhabung waren der Anteil von Bock an dem Projekt.
Was bei einer Frontplatte dieser Größe zählt
Vier Punkte machten die Fertigung der Frontplatte besonders anspruchsvoll:
- Ebenheit über 27 Quadratmeter. Eine Fassadenplatte, die sich wölbt, wirft an der Wand Schatten und verzieht das Schriftbild. Ebenheit auf dieser Fläche ist keine Frage des Zuschnitts allein, sondern der Spannungen im Blech – und die entstehen bei jedem thermischen Schnitt.
- Die Buchstabenmatrix schwächt die Platte. Jeder ausgeschnittene Buchstabe nimmt Material heraus. Was als Schriftbild lesbar sein soll, ist statisch betrachtet ein Lochbild – die verbleibenden Stege tragen die Platte.
- Handhabung und Transport. 2,6 Tonnen Blech lassen sich nicht von Hand wenden. Jeder Arbeitsschritt – aufrichten, drehen, verladen – braucht Kran, Anschlagmittel und Platz.
- Die Schnittstelle zur Wand. Die Befestigungsschienen lagen bereits im Rohbau. Das Bauteil musste zu einer Geometrie passen, die vor ihm fertig war und sich nicht mehr korrigieren ließ.
Die bereits im Rohbau vorgesehenen Befestigungsschienen gaben die Anschlussgeometrie vor. Zuschnitt und Handhabung der schweren Frontplatte mussten dazu passen.
Cortenstahl: ein Werkstoff, der absichtlich rostet
Cortenstahl ist ein wetterfester Baustahl. An seiner Oberfläche entsteht eine festhaftende Rostschicht, die den weiteren Abtrag begrenzt. Diese Patina gibt der Frontplatte ihre charakteristische Oberfläche.
Damit verändert sich über die Jahre auch die Farbe der Uhr. Die Rostoberfläche ist Teil der Gestaltung; sie wird hier sichtbar belassen.
Cortenstahl gehört zu den Werkstoffen, die Bock regulär verarbeitet. Dazu kommen Baustähle wie S235 und S355, Feinkornbaustähle sowie Verschleiß- und Edelstähle. Verarbeitet werden überwiegend europäische Qualitätsstähle, auf Wunsch mit Abnahmeprüfzeugnis 3.1 nach EN 10204.
Die Einweihung zur Landesgartenschau 2014
Eingeweiht wurde die Uhr im März 2014, rechtzeitig vor der Eröffnung der Landesgartenschau in Schwäbisch Gmünd. Gebäudeeigentümer Berndt-Ulrich Scholz, Bürgermeister Dr. Joachim Bläse, Landesgartenschau-Geschäftsführer Manfred Maile sowie Marco Biegert und Andreas Funk nahmen sie gemeinsam in Betrieb.
Zur Inbetriebnahme im März 2014 zeigte die Uhr zunächst den Countdown zur Landesgartenschau. Seit dem 30. April 2014 zeigt sie die Uhrzeit in Worten. Sie hängt am Gamundia-Gebäude nahe dem Bahnhof. Die Matrix wechselt im Fünf-Minuten-Rhythmus; die Minuten dazwischen zeigen vier leuchtende Eckpunkte an. Lichtsensoren regeln die Helligkeit: tagsüber gut lesbar, nachts gedimmt, damit der Bahnhofsvorplatz nicht überstrahlt wird.

Ein Projekt aus dem Jahr 2014
Der ursprüngliche Beitrag erschien im April 2014 auf unserer alten Website. Für den Relaunch wurden die Angaben mit den damaligen Quellen abgeglichen. Die Aufnahmen der fertigen Uhr und aus der Halle stammen von Biegert & Funk (QLOCKTWO), das Foto der Inbetriebnahme aus der Stadtmeldung vom 14. März 2014.
Der Auftrag zeigt, wie unterschiedlich die Verwendung eines großen Stahlbauteils sein kann. Hier wurde aus der Frontplatte keine Maschinenbaugruppe, sondern der sichtbare Teil einer Uhr. Ebenheit, Maßhaltigkeit und die passende Befestigungsgeometrie blieben trotzdem zentrale Anforderungen.
Für heutige Sonderbauteile stehen in Lorch Brennschneiden bis 200 mm, Umformen, Schweißkonstruktionen nach DIN EN 1090-2 EXC3 und mechanische Bearbeitung bis 26 m zur Verfügung. Die Fertigung ist auf Stückgewichte bis 50 t ausgelegt; Sandstrahlen und Lackieren ergänzen die Bearbeitung.
Häufige Fragen zu großformatigen Bauteilen aus Cortenstahl
Können wir großformatige Bauteile aus Cortenstahl fertigen lassen?
Ja. Cortenstahl gehört zu den Werkstoffen, die wir regulär verarbeiten – vom Zuschnitt über die Schweißkonstruktion bis zur mechanischen Bearbeitung. Sinnvoll ist eine frühe Abstimmung, weil sich die Patina erst am eingebauten Bauteil ausbildet und Ablaufspuren an angrenzenden Bauteilen einplanbar sind.
Wie groß und wie schwer darf ein Bauteil bei Ihnen werden?
Die Grenzen setzen Anlagen und Kran, nicht das Bauteil: Wir brennschneiden bis 200 mm Materialstärke, bearbeiten Bauteillängen bis 26 m und Stückgewichte bis 50 t auf rund 14.000 m² Produktionsfläche. Für die Wortuhr waren 5,20 Meter Kantenlänge und 2,6 Tonnen Blech damit ein Format, das die Halle regulär hergibt.
Bleibt ein so großes Blech eben, oder verzieht es sich?
Jeder thermische Schnitt bringt Spannungen ins Bauteil, und je größer die Fläche, desto sichtbarer werden sie. Dagegen arbeiten wir mit Schnittfolge und Wärmeführung – und wo es darauf ankommt, mit Vibrationsentspannen oder Flammrichten, bevor die Funktionsflächen entstehen.
Fertigen Sie auch Einzelstücke für Architektur- und Kunstprojekte?
Ja, ohne Mindestmengen. Vom Einzelteil bis zur Kleinserie ist der Ablauf derselbe wie im Industrieauftrag: Machbarkeit prüfen, Werkstoff und Toleranzen festlegen, fertigen. Bei Objekten im öffentlichen Raum kommen Statik und Befestigungsschnittstelle früh dazu – bei der Wortuhr lagen die Schienen bereits im Rohbau.
Wie läuft eine Anfrage für ein Sonderbauteil ab?
Zeichnung oder STEP-Datei, Werkstoff und Stückzahl genügen für den Einstieg. Liegt noch keine Zeichnung vor – bei Objekten aus dem Design ist das die Regel –, genügen Maße, Materialwunsch und Einbausituation: Unsere Arbeitsvorbereitung prüft Machbarkeit und Termin und meldet sich mit einem konkreten Angebot.
Quellen und Einordnung
- Abmessungen, Gewichtsangabe über vier Tonnen, Inbetriebnahme als Countdown und Zeitanzeige ab 30. April 2014; der Weltrekord-Anspruch wird Biegert & Funk zugeschrieben. Die Vier-Tonnen-Uhr tickt (14. März 2014)


